Bericht

Am 18. August 2023 ging es für unsere Gruppe, bestehend aus Peter, Sandra, Sabrina, Martina, Sabine, Sharon, Sophie, Johannes und mich (Sara) vom Frankfurter Flughafen auf nach Madagaskar. Geflogen sind wir mit Ethiopian Airlines und einem Zwischenstopp in Addis Abeba. Von dort aus ging es weiter nach Antananarivo, der Hauptstadt von Madagaskar. Unser aufgegebenes Gepäck am Flughafen wog insgesamt 320 kg. Unsere Koffer waren vollgepackt mit Materialspenden aus Deutschland. Da es der erste Einsatz nach der Corona-Pandemie war, mussten wir alle Verbrauchsmaterialien im Voraus in Deutschland besorgen. Es war relativ unklar, ob überhaupt noch Verbrauchsmaterialien im Materiallager in Fort Dauphin waren und wenn ja, in welchem Zustand diese sind. Nach der ersten Nacht im Fly-Inn Hotel in Antananarivo ging es dann am nächsten Tag mit dem Propellerflugzeug nach Fort Dauphin. Der Gepäck Check-In für den Inlandsflug war sehr aufregend, weil Air Madagaskar das Übergepäck unserer Gruppe nicht transportieren wollte, da die Ladekapazität des Flugzeuges dies angeblich nicht hergäbe. Nachdem wir aber den Sinn und Zweck unserer Reise erklärt und dabei immer freundlich gelächelt hatten, durfte wir dann doch, nach 1,5 Stunden, nach und nach jedes einzelne Gepäckstück aufgeben. In Fort Dauphin angekommen, wurden wir von dem Ehepaar Maria und Norbert Damer und Dr. Tolotra (dem Zahnarzt aus Fort Dauphin) vom Flughafen abgeholt und sehr herzlich empfangen. Nach einem ausgiebigen Frühstück bei Maria und Norbert zu Hause, ging es zu unserem zukünftigen Behandlungsort, für die ersten 2 Wochen, ins Collège St. Vincentien Marillac. Der Träger dieser Schuleinrichtung ist die Communauté der Lazaristen in Marillac. Dort gab es einen Behandlungsraum mit vier Liegen, welcher auch schon die Jahre zuvor als solcher genutzt wurde und ein weiterer kleiner Raum, das sogenannte Materiallager von Planet Action und Dental Volunteers. Der Versuch dieses Materiallager der Vorjahre zu öffnen, scheiterte anfangs am fehlenden Schlüssel. Also beschäftigten wir uns zunächst damit den zukünftigen Behandlungsraum einzurichten und alles Vorhandene in Gang zu bringen, jedoch wurde schnell klar, dass der Strom für alle Gerätschaften nicht ausreichen würde. Durch tatkräftige Unterstützung von Norbert wurde für uns ein zusätzliches Stromkabel quer durch das Gelände gelegt und siehe da, alles funktionierte. Einen Heißluftsterilisator bekamen wir von der französischen Apothekerin Christine geliehen. Am darauffolgenden Tag war dann auch die Nonne mit dem passenden Schlüssel zum Materiallager zugegen, sodass nun auch da alles gesichtet werden konnte. Unsere fleißige Sabrina machte sich direkt ans Werk unsere mitgebrachten Materialien und alles Vorhandene im Materiallager zu sortieren und nach brauchbaren Instrumenten zu durchsuchen, sodass am Nachmittag die ersten Patienten behandelt werden konnten. Nachdem Sabrina alles sortiert und aussortiert hatte, wurde deutlich, dass bis auf wenige Dinge, alles in ausreichenden Mengen vorhanden war, sodass der weiteren Planung für das zukünftige Arbeiten an verschiedenen Standorten nichts im Wege stand. Lediglich eine zweite Absaugung und eine zweite chirurgische Bohrmaschine fehlten uns. Die erste Nacht verbrachten wir in einer einfachen Unterkunft bei den Padres in Marillac, leider ohne funktionierende Dusche und sehr verdreckter Toilette. Schnell wurde klar, dass dies nicht die Unterkunft für die nächsten zwei Wochen bleiben konnte und es wurde einstimmig beschlossen die Unterkunft noch einmal zu wechseln. Mit der Hilfe von Maria fanden wir, relativ zentral in Fort Dauphin, ein kleines, sehr einfaches, aber charmantes Hotel, das Le Nepenthes.  Der Ansturm an Patienten war enorm groß. Jeden Morgen gegen 8 Uhr holte uns unser Taxifahrer John, den ebenfalls Maria für uns organisiert hatte, am Hotel ab und brachte uns mit bester Musik nach Marillac. Zwischen 8.30 und 9 Uhr begannen wir dann mit den Behandlungen. Zum Mittagessen wurden wir jeden Tag von den Padres vor Ort verköstigt. Es gab typische madagassische Kost. Verschiedene Salate, eine Nudelpfanne (ähnlich wie Bratnudeln, manchmal mit Hühnchen), Zebufleisch, Reis, Bohnen, Bananen und nicht zu vergessen, den sehr gewöhnungsbedürftigen Reistee. Von 13 Uhr bis 16/16.30 Uhr behandelten wir dann am Nachmittag. John holte uns jeden Tag kurz nach 17 Uhr an der nahe gelegenen Tankstelle wieder ab, sodass dort das Feierabendbier (THB) zum täglichen Ritual wurde, ebenso wie das Feierabend-Lied in Johns Auto, Livin´ On Love. Die Abende verbrachten wir immer gemeinschaftlich in verschiedenen Restaurants in Fort Dauphin bei gutem Essen, viel Wein und dem ein oder anderem Gin Tonic oder Mojito. Beim Abendessen besprachen wir oft wichtige organisatorische Sachen und planten weitere Einsatzorte, die uns von Maria vorgeschlagen wurden. So behandelte ein Teil der Gruppe, bestehend aus vier Leuten, am Donnerstag und am Freitag im Gefängnis von Fort Dauphin die Insassen, welche auch dringend Behandlungsbedarf hatten. Da die Absaugung und auch die chirurgische Bohrmaschine in Marillac blieben, konnten wir im Gefängnis nur Extraktionen mit jeder Menge Tupfer und Spuckschale machen. Aber für den größten Teil der Zähne, sei es im Gefängnis, in Marillac oder später auch im kleinen Fischerdorf in Locaro, war sowieso die Zange das Mittel der Wahl. Die Menschen vor Ort hatten eine äußerst mangelhafte Mundhygiene. Der überwiegende Teil der Zähne war tief zerstört oder so kariös, dass ohne die Möglichkeiten einer endodontischen Behandlung und weiteren Kontrollen, oft nur die Extraktion der Zähne in Frage kam. Meist wollten die Patienten das aber auch genau so, die Zähne loswerden, welche Schmerzen verursachen. Ästhetik spielt da eher eine untergeordnete Rolle, weil die Menschen wirklich größere Probleme und Sorgen haben als ein schönes Lächeln. Oft hatten wir in Marillac auch ehrlich gesagt keine Zeit, um suffiziente Füllungen zu legen, da der Ansturm an Patienten, die mit Schmerzen behandelt werden wollten, einfach zu groß war. Nach einer erfolgreichen 1. Arbeitswoche machten wir uns am Freitagnachmittag auf nach Berenty, einem kleinen Nationalpark in der Nähe von Amboasary. Mit einem kleinen, klapprigen Bus ging es drei Stunden über huckelige Schotter- und Sandpisten und durch atemberaubende Landschaften. In Berenty angekommen begrüßten uns schon die ersten Lemuren. Am Samstag haben wir eine geführte Tour durch den Park gemacht. Unser Guide Manju hat uns die verschiedenen Arten von Lemuren gezeigt, Sifakas, Kattas, Weißfuß-Wieselmakis … mit und ohne „Babbi“ und diverse andere Tiere. Schildkröten, Skorpione, Kauze und Chamäleons, alles in Berenty zu finden. Außerdem hat er uns viel über die dort angesiedelten Stämme der Madagassen und ihrer Geschichte erzählt. Am Sonntagvormittag haben wir dann noch einen Ausflug in den sogenannten Dornenwald gemacht, wo auch vereinzelt die mächtigen Baobabs bestaunt werden konnten. Am Mittag ging es dann zurück nach Fort Dauphin, wo wir schon ganz gespannt von Eva und Joshua erwartet wurden, die unsere Gruppe nun komplett machten. Da wir jetzt insgesamt zu 11. waren, behandelten wir in Woche 2 an vier verschiedenen Standorten, was viel Organisation erforderte. Mit Sack und Pack wurden Sabine, Martina, Sophie und ich am Montagmorgen von 2 Pick-Ups abgeholt und ins Fischerdorf nach Locaro gefahren, wo wir die nächsten 3 Tage behandeln sollten. Mit an Bord waren der Eigentümer eines kleinen Hauses, in dem wir in Locaro unterkamen, und Larissa, eine Sozialarbeiterin aus Fort Dauphin, welche uns die 3 Tage dort verköstigt und bekocht hat. Nach 1,5 Stunden beschwerlicher Fahrt durch tiefe Schlaglöcher und zahlreiche Bodenwellen setzten wir die letzten 200 Meter mit dem Boot auf eine kleine Landzunge über. Da waren wir nun, am wohl abgelegensten und gleichzeitig schönsten Ort den wir bis jetzt gesehen hatten. Bis auf ein paar Fischer und uns sonst keine Menschenseele. Wir fragten uns schon, wo denn die ganzen Menschen, welche wir behandeln sollten, wohl herkommen würden, aber sie kamen. Unseren Behandlungsraum richteten wir in einer kleinen, privat geförderten Grundschule ein. Die Schulbänke wurden zu unseren Behandlungstischen und schon am Nachmittag konnten wir mit den Behandlungen beginnen. Ein Lehrer der Schule half uns so gut er konnte beim Übersetzen und der Verständigung mit unseren Patienten. Die Arbeit im Fischerdorf empfanden wir alle als sehr anstrengend, da die Tische sehr niedrig waren und wir den ganzen Tag in gebückter Haltung gearbeitet haben. Auch die Unterbringung in dem kleinen Häuschen war sehr sporadisch. Die Toilette und die Dusche entsprachen auch nicht unseren hygienischen Ansprüchen, sodass duschen ausblieb und stattdessen ein kurzes Bad im Meer ausreichen musste. Auch Handyempfang und Internet blieben aus und Strom gab es nur bis 20 Uhr. Entschädigt wurde das alles durch die wunderschöne Umgebung, die Stille und die Ruhe am Abend, das fantastische Essen von Larissa, die kleine Bucht am Meer und die Herzlichkeit und Dankbarkeit der Menschen vor Ort. Die „Zuhause gebliebenen“ hatten ihren Alltag in Fort Dauphin und Marillac wie gehabt. Sie planten für den Donnerstag nochmal ins Gefängnis zu gehen, da es nur noch knapp 40 Insassen waren, welche noch nicht behandelt wurden. Außerdem kamen diesmal die chirurgische Bohrmaschine und die Absaugung mit, um Osteotomien an tief abgebrochenen Zähnen machen zu können. Auch die Arbeitsbedingungen im Gefängnis waren alles andere als schön. Es gab einen winzigen Raum mit einer Liege und einem Tisch, darin stand die Luft. Auch die Körpergerüche der Insassen waren zum Teil nur schwer zu ertragen. Mit anzusehen bzw. hautnah zu erleben, wie die Menschen dort leben, besser gesagt hausen müssen war erschreckend und hat uns tief getroffen. Obwohl die Insassen wohl zum Teil schwer kriminell waren, lief es an allen drei Tagen, an denen wir dort waren, friedlich ab. Man hatte nicht das Gefühl unsicher zu sein oder gar Angst haben zu müssen. Am späten Nachmittag machten wir gemeinsam eine kleine Souvenir-Shoppingtour durch Fort Dauphin. Dank Martinas Verhandlungsgesprächen wurden wir dabei auch nicht übers Ohr gehauen. Am Freitag folgte dann noch ein Einsatz in einem Gesundheitszentrum 100 Meter neben unserem Hotel. Der Tag dort startete schon chaotisch, da der Behandlungsraum nicht vorbereitet war, es keinen Übersetzer gab und auf der Liste 130 Patienten standen. Im Nachbarraum, welcher nur durch einen Sichtschutz abgetrennt war, schrien den ganzen Tag Babys und Kleinkinder, weil an diesem Tag auch Impf-Tag im Gesundheitszentrum war. Die so schon stickige Luft wurde durch Fischgeruch ergänzt, da die Mitarbeiter Fischköpfe innerhalb der Räumlichkeiten auskochten. Die Gruppe vor Ort stieß an ihre Grenzen und alle waren heil froh als der Tag dort endlich geschafft war. Am Abend stand dann für uns schon das letzte gemeinsame Abendessen, in dieser großen Gruppe, an. Peter, Sandra, Sabrina, Martina und Sabine flogen am Samstag zurück nach Antananarivo und anschließend nach Hause. Es war fast schon etwas emotional, sich am Abend verabschieden zu müssen. Obwohl wir uns vorher alle mehr oder weniger nur über die Zoom-Meetings kannten, haben uns die zwei Wochen sehr zusammengeschweißt und wir haben uns ab Tag 1 alle super miteinander verstanden. Wir hatten neben viel Arbeit auch unheimlich viel Spaß zusammen, haben uns gegenseitig ohne Vorbehalte unterstützt und als Team super funktioniert. Vor allem Peter, unser „Chef“, hat sich mit Maria und Norbert immer um alles Organisatorische gekümmert und den Laden am Laufen gehalten.  Fazit von Woche 1 und 2 in Marillac, Locaro, dem Gefängnis und dem Gesundheitszentrum waren 620 behandelte Patienten/-innen, 2219 gezogene Zähne und 38 gelegte Füllungen. Nachdem wir dann am Samstagvormittag alles für die nächsten 2 Wochen in Tsihombe zusammengepackt hatten, holte uns am Nachmittag Maria mit ihrem Pick Up ab und wir fuhren gemeinsam zu Dr. Tolotras Praxis. Wir hatten für ihn einige überschüssige Materialien und Dinge, die wir für unsere Arbeit nicht gebrauchen konnten, in Marillac aussortiert. Er war überwältigt und sehr dankbar für alles. Er zeigte uns seine Praxis und erzählte uns auch etwas über seine Arbeit und die Behandlungen, welche er in seiner Praxis so macht. Danach machte Maria noch eine kleine Stadtrundfahrt mit uns und zeigte uns ein paar Stellen von Fort Dauphin, welche wir noch nicht kannten. Sonntag stand dann ein Tag mit unserem Taxifahrer John auf dem Programm. Er holte uns schon um 5.30 Uhr ab und wanderte mit uns auf den höchsten Berg von Fort Dauphin, den Pic St. Loui. Am Mittag kam Ulrich dann noch dazu und machte unsere Gruppe nun für Woche 3 und 4 komplett. Nachmittags fuhr John mit uns die schönsten Strände der Umgebung ab, kilometerweite, weiße Sandstrände, tiefblaues Meer und die Berge im Hintergrund, einfach wunderschön! Am Montag ging es dann früh am Morgen, mit zwei voll beladenen Pick-Ups, auf nach Tsihombe. Die sechs Stunden Fahrt waren geprägt vom ständigen Geschaukel der Autos, weshalb an Schlaf nicht wirklich zu denken war. Als wir endlich angekommen waren, hatte sich das satte Grün der Wälder um Fort Dauphin vollständig in eine staubige und karge Landschaft verwandelt. Tsihombe ist eine kleine und recht abgelegene Ortschaft, in der die größte Ablenkung die Fußballspiele sind, die dort ab und zu ausgetragen werden. Im Zentrum lag das Kloster, wo uns die Nonnen und vor allem Soeur Immaculada herzlichst und mit viel Essen begrüßten. In einer Mischung aus Spanisch, Malagasy und Französisch fragte sie uns über unsere Essvorlieben und unsere Behandlungen aus. Nach der Begrüßung hatten wir dann etwas Zeit unsere Zimmer einzurichten. Jeder von uns hatte ein kleines Zimmer mit eigenem kleinem Bad, wobei die Toilettenspülung und die Dusche nur bei manchen von uns funktionierten. Dann wurden wir einigen Leuten in Tsihombe vorgestellt, u.a. Pater Miguel (aus Versehen haben wir ihn aber die meiste Zeit Pater Pedro genannt.) Er zeigte uns dann unseren Behandlungsraum, wobei es sich eher um einen Saal handelte. Wir behandelten in einer Art Gemeinderaum, der für Messen o.ä. gedacht war. An dem Abend hatten wir dann noch Zeit diesen Raum einzurichten und alles Mitgebrachte auszupacken. Am nächsten Morgen ging es nach dem Frühstück um 9 Uhr mit den Behandlungen los. Trotz der Winterzeit in Madagaskar herrschte nicht nur am ersten Tag eine große Hitze, die glücklicherweise in den Räumlichkeiten etwas erträglicher war. Auch die große Menge an Patienten brachte uns manchmal zum Schwitzen, denn mit der Zeit haben immer mehr Menschen von uns erfahren und so wuchs die Schlange vor unseren Räumlichkeiten in den ersten Tagen stark an. Für die koordinierte Behandlung der Patienten wurde uns eine ältere, nette Frau zur Seite gestellt. Sie verteilte immer kleine Heftchen, wo die Patienten ihren Namen und ihr Alter reinschrieben. Sie sorgte auch dafür, dass die Patienten der Reihe nach behandelt wurden und sich quasi niemand vordrängeln konnte. Eine Besonderheit, die uns recht schnell auffiel, war der deutlich bessere Zahnstatus vieler Patienten im Vergleich zu den Patienten in Fort Dauphin. Deshalb konnten wir in Tsihombe auch die ein oder andere Füllung mehr machen. Vom Tagesablauf änderte sich nicht viel, außer dass die Mittagspause etwas länger ausfiel und dass wir am Abend meist alle in einem Zimmer zusammensaßen und uns unterhielten, Kreuzworträtsel lösten und Gesellschaftsspiele spielten. In der Ortschaft waren wir meist nur unterwegs, um uns Wasser, Cola und Bier am nahe gelegenen Kiosk zu kaufen oder um uns das Fußballspiel anzuschauen. Unsere Mahlzeiten bekamen wir immer von den Nonnen, die sich viel Mühe gaben, uns reichlich mit Essen zu versorgen. Gekocht wurde in einer kleinen Küche ohne Strom und ohne fließendes Wasser, nur über einem kleinen Holzkohleherd. An manchen Tagen hat uns auch Dr. Tolotra einen Besuch abgestattet. Er kam auch ab und zu mit dem Motorrad nach Tsihombe gefahren und hat dort einen Behandlungsraum im Hospital. Er hat sich interessiert unsere Behandlungen angeschaut und sich als unbezahlbare Hilfe beim Thema Übersetzten erwiesen. Am Wochenende verbrachten wir einen Tag am Faux Cap, das lag ca. 1,5 Stunden mit dem Auto vom Kloster entfernt. Die Nonnen stellten uns den Fahrer, das Auto und einen zusammengepackten Korb mit Essen und Getränken. Die Fahrt dorthin war, wie alle Fahrten in Madagaskar, sehr abenteuerlich. Auf zwei Holzbänken, auf der Ladefläche des kleinen Transporters, ging es über holprige Sandpisten bis ans Meer. Dort konnte man am Strand gut Muscheln und Korallen sammeln und den meterhohen Wellen dabei zusehen, wie sie an einem Riff vor dem Strand brachen. Dies sollte unser einziger Ausflug am Wochenende gewesen sein, da uns die holprige Fahrt auf den Holzbänken dann doch für den einen Tag gereicht hatte und es in Tsihombe und der Umgebung leider auch nicht wirklich viel zu sehen gab. Also verbrachten wir den Sonntag im Kloster und leider fing es an dem Tag auch an, dass mehr als die Hälfte unserer Gruppe krank wurde. Wir hatten der Reihe nach Magen-Darm und teilweise auch leichtes Fieber, sodass die nächsten Tage immer mal wieder jemand von uns beim Behandeln ausfiel. Am letzten Abend kamen dann die Nonnen mit einem selbst gebackenen Kuchen vorbei und Soeur Immaculada fand viel nette Worte des Abschieds. Fazit von Woche 3 und 4 in Tsihombe waren 342 behandelte Patienten/-innen, 764 Extraktionen und 80 gelegte Füllungen.  Am Donnerstag fuhren wir dann zurück nach Fort Dauphin. Dort erledigten wir noch die Inventur und quartierten uns anschließend im Hotel Croix du Sud ein. Die letzten zwei Tage nutzten wir, um uns von den Mühen der Woche zu erholen und jeden Abend gut essen zu gehen. So zeigten uns Maria und Norbert auch ihr Stammlokal, wo sogar eine Pizza und ein Salat nach ihnen benannt wurde. Am Samstag ging hieß es dann auch für uns Abschied nehmen in Fort Dauphin und zurück nach Antananarivo, wo sich dann die Wege unserer Gruppe trennten. Auf dem Weg zum Flughafen hörten wir mit John ein letztes Mal Musik im Auto und Sharon konnte sich, von den uns bekannten Verkäuferinnen, wieder zum Kauf von Kleinigkeiten bequatschen lassen.

Abschließend noch ein paar persönliche Eindrücke und Emotionen unserer Gruppe. Madagaskar ist ein sehr armes Land und das hat man täglich zu sehen bekommen. Die Lebensweise der Menschen ist oft sehr einfach und beschränkt sich auf das Nötigste. Gerade die ländliche Bevölkerung lebt in kleinen Holzhütten, ohne Strom und ohne fließend Wasser. Im Süden ist es oft sehr trocken und die Menschen graben in ausgetrockneten Flussbetten nach Wasser, wie wir in Tsihombe zu sehen bekamen. Auch die Müllentsorgung scheint ein großes Problem zu sein. Dieser liegt überall am Straßenrand herum, wird zum Teil auch in den Flussbetten entsorgt oder auf offener Straße verbrannt. Von der medizinischen/zahnmedizinischen Versorgung und den hygienischen Bedingungen ganz zu schweigen. Die Armut der Bevölkerung und die Chancenlosigkeit der vielen Kinder hat uns oft schwer zu schaffen gemacht. Ich denke bei uns allen hat dieser Einsatz viele Emotionen ausgelöst und das Bewusstsein und die Dankbarkeit hervorgerufen, in so einem priviligierten und reichen Land wie Deutschland zu leben. Für mich persönlich war dieser Einsatz die anstrengendste, aber auch schönste Erfahrung meines Lebens und hat mein Leben unheimlich bereichert!

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