Bericht

Über verschiedene Wege war unser Team auf die Hilfsorganisation "Planet Action – Helfende Hände e.V." aufmerksam geworden. Vom 01.03. bis zum 21.03.18 sollte unser Hilfseinsatz stattfinden. Bisher hatte noch kein Planet Action-Team auf Sansibar zahnmedizinisch gearbeitet und dementsprechend bedurfte es im Voraus vieler Vorbereitungen. Benötigte Unterlagen für eine Arbeitsgenehmigung wurden beantragt und Impfungen durchgeführt. Wir schrieben 160 Dentalfirmen für Materialspenden an und sammelten 8.000 EUR Geldspenden mit Hilfe von unseren Familien, Freunden und Bekannten. Auch über die lokale Presse machten wir auf unseren Hilfseinsatz aufmerksam und riefen zu Spenden auf.

Mit den gesammelten Spendengeldern konnten wir das benötigte Instrumentarium und die Verbrauchsmaterialien vervollständigen und schickten unser 160 kg Material per Luftfracht nach Sansibar.

Bereits vor der Anreise gestaltete sich die Kommunikation mit unserem Kontaktmann vor Ort sehr schwierig. Gestellte Fragen blieben unbeantwortet und selbst einfachste Sachverhalte konnten nicht geklärt werden. Schnell wurde klar, dass die Organisation von Deutschland aus nur sehr schwer umsetzbar und die Zuverlässigkeit vor Ort nicht gegeben war, wodurch Vieles erschwert wurde.

Bedauerlicherweise konnte eine Studentin sehr kurzfristig nicht an unserem Einsatz teilnehmen. Bis zu unserer Abreise hat sie jedoch tatkräftig mitgewirkt und uns unterstützt. Ein großes Dankeschön an Dich, Daphne!

Unser Team - bestehend aus drei Zahnärzten, drei Studentinnen und einer zahnmedizinischen Fachangestellten - kannte sich im Vorfeld nur durch Telefon- und Email-Kontakt, welcher im Rahmen der umfangreichen Vorbereitungen erforderlich war. Wir machten uns schließlich auf den Weg nach Sansibar und freuten uns sehr auf ein persönliches Kennenlernen vor Ort.

Zu Beginn fand eine Einführungsbesprechung mit den einheimischen Zahnärzten und Organisatoren im Hauptkrankenhaus in Stone Town statt. Leider blieben anschließend viele Fragen offen. „Polepole“ (langsam) und „hakuna matata“ (kein Problem) waren von nun an die wichtigsten Worte und uns wurde schnell klar, dass auf diesem Kontinent eine völlig andere Arbeitsweise herrscht.

Als wir anschließend unsere gesamten Materialspenden am Flughafen abholen wollten, wurden wir vor die nächste Herausforderung gestellt. Zu dritt diskutierten und verhandelten wir bei über 30°C in der Sonne, liefen von einem Flughafenmitarbeiter zum nächsten und wurden auf eine harte Geduldsprobe gestellt. Nach zweieinhalb Stunden wurde uns schließlich mitgeteilt, dass wir morgen wiederkommen sollen. Mit viel Nachdruck konnten wir nach dreieinhalb Stunden endlich unser Material einladen und zum Kivunge Hospital in den Norden von Sansibar transportieren.

Während des Einsatzzeitraums behandelten wir im Kivunge Hospital, im Health Center von Jambiani und an verschiedenen Orten in Primary Schools. Unsere Unterkunft befand sich in Pwani Mchangani und täglich waren wir zwischen einer halben bis eineinhalb Stunden Fahrtzeit pro Strecke unterwegs.

Wir behandelten fast ausschließlich Kinder. Zunächst gab es eine allgemeine Aufklärung bezüglich Mundhygiene und Kariesentstehung in der Landessprache Swahili, zeitgleich demonstrierten wir an großen Putzmodellen, wie man sich richtig die Zähne putzt. Darüber hinaus beschränkte sich die Therapie ausschließlich auf Extraktionen.

Der Behandlungsbedarf war enorm. Die Mundhygiene der Kinder war sehr schlecht bis gar nicht vorhanden, aber was uns alle am meisten schockierte, war die Tatsache, dass die Kinder auf dem Schulhof für sehr wenig Geld Süßigkeiten kaufen konnten und diese in großen Mengen konsumierten. Den meisten Europäern ist der Zusammenhang zwischen Mundhygiene, Zuckerkonsum und Kariesentstehung bekannt, die Mehrzahl der Sansibari wissen jedoch nicht, weshalb ihre Zähne geschädigt werden und sie Zahnschmerzen bekommen. Viele von ihnen sind der Meinung, dass es Insekten gibt, die in der Nacht in ihren Mund kriechen und die Zähne zerstören.

Auf Sansibar gibt es nur sehr wenige Zahnärzte und die Behandlung muss vom Patienten selbst bezahlt werden. Das durchschnittliche Jahreseinkommen beträgt etwa 250 $ und mehr als 50% der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze. Auf Grund dessen können sich viele Sansibari die zahnmedizinische Versorgung finanziell nicht leisten und sie leiden sehr häufig unter Zahnschmerzen.

Mit dem Wunsch möglichst vielen Einheimischen diese Schmerzen nehmen zu können kamen wir auf die Insel und waren voller Tatendrang. Die Behandlung fand unter sehr einfachen Bedingungen auf Schulbänken oder Stühlen statt. Mit Hilfe von Stirnlampen konnten wir die Sichtverhältnisse etwas verbessern, Absaugung, Speibecken oder Luftbläser standen uns nicht zur Verfügung. Die Beschaffung von Händedesinfektionsmittel und die Sterilisierung der Instrumente erwiesen sich als schwierig. In den lokalen Apotheken wurden wir bei der Frage nach Desinfektionsmittel sogar belächelt und der von uns mitgebrachte Druckkochtopf für die Aufbereitung der verwendeten Instrumente konnte meist nicht eingesetzt werden, da es in den jeweiligen Einrichtungen kein fließendes Wasser gab.

In der ersten Primary School in Unguja Ukuu behandelten wir die Kinder in einem Klassenzimmer auf den Schulbänken. Schnell bemerkten wir, dass die einheimischen Zahnärzte sehr rabiat mit den Kindern umgingen. Häufig wurde nicht gewartet bis die Anästhesie wirkte, sondern mit der Behandlung unmittelbar begonnen. Falls sich ein Kind widersetzte, wurde es auf die Schulbank gelegt. Ein Erwachsener hielt die Hände, einer die Füße, der dritte den Kopf fest und der vierte zog die Zähne. Wir waren geschockt, wie brutal die Einheimischen mit den ängstlichen Kindern umgingen.

Nachdem wir die wichtigsten Vokabeln auf Swahili beherrschten und in den darauffolgenden Tagen in einem von den wartenden Kindern abgetrennten Raum ohne die ortsansässigen Zahnärzte behandelten, lief es deutlich gemäßigter ab und wir waren froh, zahlreichen Kindern helfen zu können. In der ersten Woche untersuchten und behandelten wir 525 Kinder. In der darauffolgenden Woche waren es ca. 1.400 Kinder, die wir mit Unterstützung eines weiteren achtköpfigen Teams aus Dubai versorgten. Die Kinder begrüßten uns winkend mit einem fröhlichen „Jambo!“ und ließen die Behandlung sehr tapfer über sich ergehen. Jedes Kind bekam anschließend eine Zahnbürste und einen Luftballon von uns geschenkt.

Neben der zahnmedizinischen Tätigkeit freuten wir uns an den beiden einsatzfreien Wochenenden, die Insel erkunden zu können. Auf Sansibar leben ca. 1 Million Einwohner, über 90% sind Muslime. Neben dem Tourismus ist die Gewürzproduktion die wichtigste Einnahmequelle. Beim Besuch einer Spice Farm erhielten wir interessante Informationen bezüglich des Anbaus und bestaunten u.a. Nelken, Kardamom, Pfeffer, Ingwer, Muskatnuss, Zimt, Vanille, Kaffee und Kakao. Wir schnorchelten, tauchten, schwammen mit Delphinen und erlebten eine spannende Bootstour nach Mnemba Island inklusive Unwetter. Die Abende genossen wir in teils wunderschönen Locations direkt am paradiesischen Strand.

Rückblickend liegt eine spannende Zeit mit Höhen und Tiefen hinter uns. Die Behandlung bei über 30°C und hoher Luftfeuchtigkeit unter erschwerten Bedingungen hat uns zeitweise viel abverlangt. Der überraschend rabiate Umgang der einheimischen Zahnärzte mit den Kindern wird uns im Gedächtnis bleiben. Stromausfälle, das Ausbleiben von fließendem Wasser, die vielen organisatorischen Hürden und Geduldsproben brachten uns zeitweise an unsere Grenzen, trotzdem hatten wir eine tolle und unvergessliche Zeit auf Sansibar. Wir waren mittendrin, statt nur dabei, konnten vielen Kindern helfen und bekamen wertvolle Einblicke in das afrikanische Leben.

Wir danken allen Dentalfirmen für ihre tatkräftige Unterstützung in Form von Materialspenden.

Ganz besonders herzlich danken wir unseren Familien, Freunden und Bekannten für die sowohl finanzielle als auch mentale Unterstützung. Ohne die zahlreichen und sehr großzügigen Spenden wäre unsere Hilfe nicht möglich gewesen.

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