Bericht

Bevor wir den Ablauf unseres Einsatzes erläutern, möchten wir uns erst einmal vorstellen. Unser Team bestand aus zwei Zahnärzten, Dr. Ulrich Niemer aus Münster und Dr. Christiano Caetano da Silva aus Köln. Unterstützt wurden die beiden von fünf Studenten: Johanna Winter und Judith Mohr aus Tübingen sowie Luka Aghajaanpour, Jonas Bienstein und Anna Marie Leimbach aus Münster.

Geplant war zahnärztliche Nothilfe in Malawi. Diese sollte im Einsatz März 2018 größtenteils stationär am St. Gabriel‘s Hospital nahe Namitete im Südwesten Malawis und ca. 1 Stunde westlich der Hauptstadt Lilongwe stattfinden. Die verschiedenen Aufgaben zur Vorbereitung des Einsatzes waren schnell verteilt und bei unserem ersten gemeinsamen Treffen in Köln zur Besprechung wurde sofort klar, dass unser Team sehr gut harmoniert.

Besonders hervorzuheben sind gleich zu Beginn die zahlreichen Sponsoren, die diesen Einsatz möglich gemacht haben! Mit der Hilfe von vielen Verwandten, Freunden, Vereinen und der Presse schafften wir es im Vorhinein über 8000 Euro Spendengelder zu sammeln! Vielen lieben Dank!

Am 01.03.2018 ging die große Reise dann endlich los. Das Hospital stellte unsere Unterkunft und wir staunten nicht schlecht bei Ankunft an unserem Gästehaus "Zitha House". Denn eine Woche vor unserer Ankunft installierte ein Student Solaranlangen, sodass wir 24 Stunden am Tag Strom hatten. Am nächsten (Feier-)Tag erkundeten wir das zu Fuß eine Stunde entfernte Namitete. Sofort starteten wir mit den Einwohnern einen kleinen Chichewa-Sprachkurs, sodass wir die wichtigsten Wörter und Ausdrücke lernten. Danach durften die Jungs bei einem offiziellen Fußballspiel teilnehmen und kamen dabei ordentlich ins Schwitzen. Kurzum: Die malawische Bevölkerung nahm uns überaus liebevoll und fröhlich auf.

Nachdem wir an den folgenden Tagen den Behandlungsraum vorbereitet hatten und eine Besprechung mit dem Personal stattgefunden hatte, ging die Arbeit los! Besonders sensibilisiert für unseren Einsatz wurde die Bevölkerung über Verkündungen im Gottesdienst. Ein Medium, welches bei größtenteils fehlender Telekommunikation absolut unabdingbar für unsere Patientenrekrutierung war. So erreichten uns bereits am ersten Tag 80 Patienten, die teilweise lange Wege von ihren Dörfern (vermehrt zu Fuß) angetreten waren, um unsere Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Zahnärztliche Dienstleistungen werden in Malawi hauptsächlich in der Hauptstadt angeboten, wodurch beispielsweise für einen Dorfbewohner Namitetes, Kosten (Anreise- und Behandlungskosten) von 7000 malawischen Kwacha (ca. 8 Euro) bei einem durchschnittlichen Monatsgehalt von 25000 MKW (ca. 30 Euro) entstehen würden. Ein Luxus, den sich nur wenige leisten können!

Desweiteren wurden uns vom Hospital Helfer zugewiesen, die zu Beginn eines jeden ArbeitstagesListen mit den Namen der Patienten erstellten. Auch bei Verständnisproblemen standen sie uns als Übersetzer zur Seite. Trotz alledem mussten die Patienten bei großer Nachfrage mit langen Wartezeiten rechnen. Eine Nutzung dieser Wartezeit für einfache Lektionen zur Mundhygiene und Ernährung wäre für zukünftige Einsätze empfehlenswert.

Die Zahl der behandelbaren Patienten limitierte sich hauptsächlich durch die Menge an Instrumenten und die Sterilisationszeit, welche sich aber meist mit der Mittagspause überschnitt, weshalb wir nur selten Patienten auf den nächsten Tag vertrösten mussten.

Schnell fiel uns hierbei auf, in welchem Zustand uns die meisten Patienten aufsuchten: Deutlich unterernährt und oft mit zweifelhaftem Gesundheitszustand, oft ohne etwas getrunken oder gegessen zu haben vor ihrer Anreise. Dies gab bereits am ersten Tag einen kleinen Einblick in die Weite der Problematik einer sehr einseitigen Fehlernährung in den Dörfern (meist auf Basis von Maisbrei, in Malawi Nzima genannt). Im weiteren Verlauf des Einsatzes erfuhren wir zudem von einem Outreach Arbeiter des Hospitals von der schlecht ausfallenden Ernte dieses Jahr. Der fehlende Nachhaltigkeitssinn und die Hygieneengpässe, die Cholera und Typhus die Tore öffnen, machen diese Situation nur noch gravierender und die Lebensumstände prekärer. In diese Lebensbedingungen versuchten wir mit unserem zahnärztlichen Einsatz einzugreifen.

Ein ganz besonderes Highlight war es für uns, einen Einblick in die malawische Bildung durch Schulbesuche zu erhalten. Dort setzten wir unser Augenmerk auf Prophylaxe. Die beiden Schulbesuche fanden in der zweiten und dritten Woche unseres Aufenthalts statt. Wir waren gerührt von den Liedern, die für uns gesungen wurden, und der Wärme, mit der wir vom Direktor und den Lehrkräften willkommen geheißen wurden. Zunächst fragten wir die Kinder, wie viele von ihnen eine Zahnbürste besäßen: In der ersten Schule waren es gerade mal sechs von ungefähr 480 Schülern. Viele putzten mit dem Finger und Wasser oder Kohle. Dann erläuterten wir mit selbstgemalten Bildern, welche Nahrungsmittel schlecht und welche gut für unsere Zähne sind und demonstrierten anschließend an großen Modellen, wie man richtig Zähne putzt. Nachdem jedes Kind eine Zahnbürste und eine Zahnpasta von uns erhalten hatte, putzten alle zusammen die Zähne.

Innerhalb der anderen stationären Arbeitstage bestand der Behandlungsinhalt meist aus einfachen bis mittelschweren Zahnextraktionen und vermehrt auch schweren operativ-chirurgischen Weisheitszahnfreilegungen und -entfernungen. Da kaum Bewusstsein für Zahngesundheit und Pflege besteht und einem Großteil der malawischen Bevölkerung schlichtweg der Zugang zur zahnmedizinischen Versorgung verwehrt bleibt (s.o.), fanden wir auch einige akute Abszedierungen vor, die eröffnet und medikamentös behandelt werden mussten. Dies auch bei einer 8jährigen Patientin, der wir gerade noch rechtzeitig helfen konnten. Weder essen noch schlucken waren für sie bei halbseitiger Schwellung des gesamten Gesichts- und Halsbereiches möglich. Hierbei ist besonders hervorzuheben wie tapfer und geduldig nicht nur die Erwachsenen, sondern auch die Kinder teilweise anstrengende und umfangreiche Eingriffe über sich ergehen ließen.

Die erschwerten Bedingungen (keine Röntgenaufnahmen, keine Behandlungsstühle, kein Behandlungslicht, keine Absaugung) machten manch ohnehin schon schweren Eingriffe zu medizinischen Herausforderungen. Zu unserer Erleichterung stand uns allerdings seit Anfang des Jahres eine mobile Behandlungseinheit zur Verfügung. Mit dieser ließen sich trotz eines doch sehr schwachen Kompressors Knochenfräsungen (Osteotomien), aber auch teilweise einige Füllungen durchführen. Letzteres mussten wir jedoch sehr schnell wieder einstellen, da unsere Einheit bei längeren und häufigeren chirurgischen Eingriffen gebraucht wurde und an ihre Grenzen kam. Ein weiteres, etwas leistungsfähigeres Gerät dieser Art würde die Behandlung von mehr Patienten ermöglichen und den kommenden Einsatzteams die Arbeit erleichtern sowie das Behandlungsspektrum erweitern.

An den Wochenenden nutzten wir die Zeit, um einmalige Ausflüge zu machen: Am ersten Wochenende ging es an den Malawisee, genauer Cape Maclear. Am zweiten Wochenende fuhren wir nach Sambia zum South Luangwa Nationalpark. Kein Tier wurde bei den beiden "Game Drives" ausgelassen. Mit einem Hauptstadtbesuch in Lilongwe und einem Besuch des nördlichen Teils des Landes (Nhkata Bay) verbrachten wir das 3. und 4. Wochenende. Die Anreisen bestritten wir meist im „local way“, indem wir Motorräder und vor allem Minibusse (für längere Strecken) nutzten, um uns von A nach B zu bewegen. Hierbei wurde es zwar regelmäßig recht eng, aber einen besseren Weg Einheimische kennenzulernen und ihnen unser Vorhaben vorzustellen und sie in die Klinik einzuladen, gab es kaum.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wir eine unfassbar schöne, erfahrungsreiche und erfüllende Zeit hatten! Die Menschen in Malawi, „dem Herzen Afrikas“, haben uns trotz ihrer zahlreichen Alltagsprobleme immer ein Lachen geschenkt und uns wahrlich herzlich aufgenommen. Wir hoffen, dass wir durch unsere Arbeit ein Teil dieser Freude zurückgeben konnten.

Mit dem Wunsch einen Hauch des unersättlichen Lebensgeistes der malawischen Bevölkerung mit in unseren deutschen Alltag zu übernehmen verabschieden wir uns mit der Gewissheit einen deutlichen medizinischen Unterschied in Malawi bewerkstelligt zu haben!

Vielen Dank an alle, die uns unterstützt haben und diesen Einsatz erst möglich machten!

Zikomo!

 

Kleiner Sprachkurs Chichewa-Deutsch (ohne Gewähr, dass irgendwas richtig geschriebenist):

Wie gehts? - Muli bwanji?

Mir gehts gut! - Didi bwino cainu

Danke (sehr)! - Zikomo (kwambiri)

(Mund) aufmachen - Sekulani

(Mund) zumachen - Sekani

Tschüss - Tuonana

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